Pokerprofis vs. Staat. Wer wird gewinnen?

Montag, 11. Februar 2013

Eduard Scharf, auch Eddy genannt, ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Pokerspieler in Deutschland; im Jahr 2001 und 2003 hat er zwei Armbänder bei der World Series of Poker gewonnen und in seiner glänzenden und zwanzigjährigen Karriere hat er etwa $ 1.300.000 bei offiziellen Pokerveranstaltungen gewonnen. Seit Ende 2009 ist Eddy von dem Finanzamt Köln aufs Korn genommen werden; das Finanzamt will tatsächlich seine Gewinne versteuern, auch wenn es keine rechtliche Grundlage gibt. Die Zahlungsaufforderung betrifft auch die Erträge, die er mittels seiner Aktivität als Fernsehmoderator und Pokerconsultant erzielt hat. Die Argumentation des Staats stützt sich auf die Betrachtung von Poker als Geschicklichkeitsspiel; Eduard Scharf könne seine Gewinne nur dank seiner Fähigkeiten ansammeln. Auf diese Weise wird die Tätigkeit von Scharf als einen normalen Beruf betrachtet und deswegen sollte er darauf Steuern zahlen. Gegen diese Entscheidung hat Eddy geklagt und jetzt wartet man auf das Urteil des Finanzgerichts. Scharf hat versucht, mit einer zweifelhaften Ausrede sich zu verteidigen; er hätte nur Glück gehabt. Aber das Urteil bleibt noch verbirgt.

In derselben Situation befand sich einen anderen bekannten Pokerspieler; der ehemalige kosmetische Chirurg Michael Keiner, „The Doc“. Im Februar 2009 wurde ein erfolgloses Strafverfahren gegen ihn eröffnet. Allerdings wurde dieses Verfahren am Ende eingestellt, weil er vorweisen konnte, dass das Finanzamt im Jahr 2006 in einer Aktennotiz die Pokergewinne als steuerfrei gehalten hatte. Auf jeden Fall haben jetzt dasselbe Problem Hunderte von Pokerspielern, die Zahlungsaufforderung erhalten haben. Eine alternative Lösung hat der Weltmeister Pius Heinz gefunden, der seit 2011 in Wien lebt, und dasselbe haben viele deutsche Spieler getan. Tatsächlich erlaubt in Österreich und bzw. in Tschechien die Rechtslage des Pokerbereichs viel mehr. Aber Michael Keiner hat absolut keine Lust ins Ausland abzuwandern und er hat schon eine Beschwerde gegen das Strafverfahren eingelegt; er appelliert sich an das deutsche Recht, das Poker als Glückspiel definiert.

Es geht immer wieder um die zentrale Frage, die das Finanzamt und die Pokerspieler trennt; ist Poker ein Glückspiel oder nicht? Verschiedene Studien haben schon beweist, dass der Strategie-Anteil zwischen 25 und 40 Prozent auf das Spiel einwirkt. Dieser Prozentsatz wird von manchen als ausreichend gehalten, um Poker ein Geschicklichkeitsspiel zu definieren, von anderen wird er nicht reichen.

Auf Staats Seite steht der Poker-Veranstalter Tassilo Wik; er wurde mehrmals angezeigt, weil er Turnieren auch für Gelegenheitsspieler veranstaltet und so wurde seine Aktivität als illegale gehalten. Für das deutsche Recht ist Poker in der Regel nur innerhalb von Casinos erlaubt und außerhalb wird Poker nur unter bestimmte Bedingungen und mit einer staatlichen Genehmigung legalisiert. Deswegen will Wik, dass Poker als ein Geschicklichkeitsspiel anerkannt wird; damit würden seine Poker-Turniere legal werden. Dasselbe Problem erscheint wieder beim Online-Poker; ein Student – der beim Online-Pokern hunderttausend Eure gewonnen hatte – hat, wie die anderen „normalen“ Pokerspieler, eine Zahlaufforderung erhalten. Auch dieses Verfahren wurde eingestellt; auf jeden Fall bleibt das Risiko, früher oder später keinen Ausweg mehr zu haben. Gegen die Anerkennung von Poker als Geschicklichkeitsspiel sind nicht nur die Pokerspieler, sondern auch die Suchtforscher, die schon eine Mahnung ausgesprochen haben. Wenn das Pokern als einen normalen Beruf betrachtet wird, können mehr Leute dazu Geld verdienen zu wollen und die Zahl der Pokersüchtigen würde sich voraussichtlich vermehren.

Wenn man die gesamte Situation analysiert, kann man gleichzeitig verschiede Problematiken beobachten. Das erste Problem ist, dass die Gesetze – die Poker regeln – stammen aus 1906 und eine Modernisierung der rechtlichen Grundlage wird selbstverständlich nötig. Vor zwanzig oder dreißig Jahren waren die Massenturniere sowie Online-Poker nicht vorstellbar. Also sollte man ein rechtliches Mittel finden, um alle diese neuen „Pokervarianten“ zu regeln. Das zweite Problem ist das Paradoxon, dass man in der oben erwähnten Situation bemerken kann. Laut dem deutschen Recht ist Poker ein Glückspiel, das nur in bestimmten Bedingungen legal ist und dessen Gewinne steuerfrei sind. Aber wenn der Staat anfängt, die Gewinne der Pokerspieler versteuern zu wollen, wird es klar, dass Poker nicht mehr als Glücksspiel betrachtet wird, sondern als Geschicklichkeitsspiel. Diese neue Definition hätte zur Folge, dass Poker mit einem normalen Beruf gleichgestellt wird, und so auch die Pokerspieler würden die Steuererklärung einreichen; das klingt sehr komisch an! Letztes Problem; die Gesetzte, die Poker regeln, unterscheiden sich von Land zu Land, weil Deutschland eine Bundesrepublik ist. So wird die Betrachtung dieses Problems selbstverständlich komplizierter. Also, wer wird diese ewige Partie enden? Lass mal sehen!

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